In seiner Ausführung ging es ums Anpacken- aber auch ums Loslassen-Können. Auf der einen Seite stand der Appell an die Gründer, den Mut zu haben beim Einstieg in ein Büro ein eigenes Profil zu entwickeln und dabei würdevoll mit dem Werk des alten Inhabers umzugehen. Auf der anderen Seite empfahl er den "alten Hasen" loszulassen und sich langfristig eine Perspektive außerhalb des Büroalltags zu schaffen und den Vorteil zu erkennen, "zu können und nicht zu müssen". Überzeugend war seine Darstellung des Dreiklangs "Spaß - Verantwortung - Autonomie/Unabhängigkeit" - keiner dieser drei Aspekte darf fehlen, um erfolgreich ein Büro zu leiten.
Einen weiteren Ausblick bot die Podiumsdiskussion der Vertreter der neuen Strategiegruppe Architekt/Büro 4.0 mit Stephan Weber, Freier Architekt und Vizepräsident der AKBW, Andreas Grube, Freier Architekt, Vorsitzender des Bezirks Karlsruhe und somit im Landesvorstand der AKBW, Sascha Geiser, Architekt, und Andreas Preißing, Betriebswirt, Dr.-Ing. Preißing AG. Sie erörterten im Gespräch die Aufgabenstellungen, denen man sich innerhalb der kammerpolitischen Arbeit widmen wird. Dabei sei beispielsweise die Bedeutung der betriebswirtschaftlichen Ausbildung von Architekten in den Fokus zu rücken, um ihre Tragfähigkeit für die Zukunft zu gewährleisten. So ließe sich der Fortbestand erfolgreicher Architekturbüros und des Berufsstands - auch für die nachfolgende Generation - sichern und attraktiv gestalten.
v.l. Andreas Preißing, Sascha Geiser, Stephan Weber, Andreas Grube
Mit diesen Impulsen teilte sich das Plenum in zwei Foren, in denen sowohl die Fragen aus Sicht der "Aussteiger" als auch aus der Perspektive der "Ein- oder Umsteiger" bearbeitet wurden. Neu in diesem Jahr: neben den Moderatoren Felicitas Steck und Claus Roth, die durch die Foren leiteten, standen die Juristen Andreas Weber und Reinhard Weng sowie die Berater Hansjörg Selinger und Jörg M. Proksch zur Seite, um direkt auf Fragen eingehen zu können. Sehr ambitioniert und lebendig tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus. Im Forum "Ein- und Umsteiger" wurden neben Fragen zur Rechtsform und Finanzierung auch "weiche" Faktoren wie Partnerfindung und Anerkennung bzw. Rangfolge im Büro besprochen. Im zweiten Forum wurden folgende drei Fragestellungen diskutiert: Wann beginne ich mit der Übergabe? Wie finde ich einen passenden Nachfolger? Und: Wie steht es mit Haftung und Vertragsform?
In der Auswertungsrunde stellte sich heraus, dass beide Gruppen ähnliche Fragen und auch Ängste und Sorgen bewegen. Vor dem Hintergrund seiner mehr als 30-jährigen Berufserfahrung bedeuteten die Ausführungen von Dr. Werner Preißing, Mitbegründer des Büroberatungsprogramms, Freier Architekt, Dr.-Ing. Preißing AG, eine große Bereicherung für die Runde. Insbesondere appellierte er an die Anwesenden, einen stärkeren Fokus auf Büromanagement und Wirtschaftlichkeit zu legen - mit dem Ziel, Büros tragfähig zu gestalten und damit eine gute Basis für die Zukunft bzw. die Nachfolgegeneration zu schaffen. Denn im ersten Forum zeigte sich deutlich: Die größere Anzahl der Ein- bzw. Umsteiger favorisieren eine Büroübernahme anstatt eine Büroneugründung.
Einzelne Themenfelder wie Bürowirtschaftlichkeit, Zeit- und Kostenkontrolle, Büroorganisation, Akquisition, um nur ein paar zu nennen werden vertieft behandelt und unterstützen die Bürofestigung.
Aufgrund der Relevanz und auch Brisanz für den Berufsstand zur Thematik standen 2014 bei der Veranstaltung Plan B_9 die Schwerpunkte Weiterführung oder Übergabe eines Planungsbüros mit samt dem vorhandenen Wissen im Mittelpunkt.