Architekten und Ingenieure unterliegen in der Honorarermittlung der HOAI, warum ist die Stundensatzkalkulation für Architekten trotzdem so wichtig? Die Stundensatzkalkulation ist eine von drei wichtigen Systembausteinen, um Projekte wirtschaftlich abzuwickeln und dadurch ein Auskommen zu erzielen. In der HOAI ist zwar geregelt wie hoch das Honorar für die einzelnen Projekte ist, aber nicht wie viel Zeit dafür in Anspruch genommen werden darf. Das obliegt allein dem Unternehmer und ist sehr individuell, deswegen gibt es auch keinen allgemein gültigen Stundensatz. Kleine, mittlere und große Büros und deren Individualität unterscheiden sich hier deutlich voneinander.
Welche weiteren Systembausteine gibt es? Neben der Stundensatzkalkulation sind die Bürokosten und das Controlling die beiden weiteren Systembausteine. Wichtig ist zu wissen, dass diese drei nicht losgelöst voneinander betrachtet werden können. Die Bürokosten sorgfältig zu erfassen ist die Basis, um den Stundensatz zu ermitteln. Der Stundensatz wiederum ist die Basis für ein erfolgreiches Projektcontrolling. Eine Zeit- und Leistungserfassung ist unabdingbar, um die Wirtschaftlichkeit der Projekte zu überwachen. Eventuelle Fehler und unzulänglich ermittelte Daten setzen sich hier kontinuierlich fort.
Hansjörg Selinger, Architekt und Wirtschaftsingenieur. Seit 20 Jahren freiberuflich tätig, führt er das Planungs- und Wirtschaftsingenieur Büro Selinger, Rottweil. Er ist einer der Büroberater, die im Rahmen des vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg geförderten Beratungsprogramms der Architektenkammer als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Durch welche Parameter wird der Stundensatz beeinflusst? Auf den Stundensatz wirken im Verbund: zum einen der kalkulatorische Soll-Jahresumsatz, der das Inhabergehalt, die Personalkosten und die Bürokosten beinhaltet, einschließlich kalkulatorischer Ansätze – zum Beispiel Wagnis, Gewinn, abgeschriebenes Anlagevermögen; zum anderen das Verhältnis zwischen honorar- und nicht honorarfähigen Leistungen. Das bedeutet, der Unternehmer muss nicht nur die Höhe seiner Kosten und Ausgaben kennen und als wichtiges Pendant die Einnahmen bzw. das zu erwirtschaftende Honorar, sondern auch den umsatzwirksamen Anteil seiner Leistungen.
Beachtet ein Unternehmer die komplexen betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge, die Sie jetzt nur andeuten konnten, ist der Erfolg dann vorprogrammiert? Erfolg ist, wenn eine betriebswirtschaftliche Basis erreicht ist und die Ertragslage die Bildung von Rücklagen ermöglicht. Rücklagen dienen der Selbstfinanzierung. Das heißt zukünftige Investitionen, Vorfinanzierung von Projektleistungen, aber auch eventuelle Verluste müssen abgedeckt werden können. Die Ursache von erfolgreicher Wirtschaftlichkeit muss aber nicht zwangsläufig im Kernbereich der Wirtschaft „verankert“ sein, sondern kann durchaus auch im Bereich des Marketings liegen. Vor dem Hintergrund einer hohen Austauschbarkeit am Massenmarkt und der Eigenständigkeit in einem spezifizierten Markt spielen Auftraggeber- Klientel, Einzugsgebiet, Projektarten und die damit verbundenen Aufgabenstellungen für Neubauten, Umbauten, Sanierungen eine wichtige Rolle. Wirtschaft und Marketing sind untrennbar miteinander verbunden. Die Anstrengungen, die sie im Bereich des Marketings unternehmen, spiegeln sich im Kernbereich der Wirtschaft wieder.