Corona, HOAI und ein flammendes Plädoyer für Wettbewerbe
Der 19. Vergabetag Baden-Württemberg beleuchtete aktuelle Herausforderungen. Mit dabei: zwei AKBW-Landesvorstände als Referenten.
Traditionell findet der Vergabetag Baden-Württemberg, der von der Ingenieurkammer Baden-Württemberg organisiert wird und von der Architektenkammer Baden-Württemberg, dem Landkreistag, dem Städtetag, dem Gemeindetag, dem Staatsanzeiger und der Gütestelle GHV gemeinsam unterstützt wird, am Anfang des Jahres statt. Im Januar 2020 trafen sich deutlich über 500 Personen in den Räumen der Sparkassen-Akademie und ließen sich über die Neuerungen für die Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen informieren. Folgerichtig wurde der Vergabetag in der Vergangenheit auch schon respektvoll als deutschlandweit größte Veranstaltung zum Vergaberecht bezeichnet.
Anfang 2021 sind solche Großveranstaltungen selbstverständlich nicht mehr möglich und trotzdem fand auch dieses Jahr der Vergabetag statt. Diesmal aber nicht in den Räumen der Sparkassen Akademie, sondern online. Die Formatänderung führte nicht zu weniger Interesse: Am 29. Januar begrüßte Andreas Nußbaum, Mitglied des Vorstands der Ingenieurkammer Baden-Württemberg und routinierter Moderator der Großveranstaltung, wieder deutlich über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Die Veranstaltung startete mit dem Grußwort der Wirtschaftsministerin, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Die Ministerin wies auf anstehende Veränderungen im Vergaberecht für Architekten und Ingenieure hin. Gerade die neue HOAI 2021 wird vergaberechtlich zu neuen Fragestellungen und Herausforderungen führen.
Norbert Portz, Beigeordneter des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, führte in die Veranstaltung mit einem Überblick über aktuelle vergaberechtliche Änderungen ein.
Nach ihm stellte die stellvertretende Bezirksvorsitzende des Kammerbezirks Tübingen der Architektenkammer, Monika Fritz, ihren Beitrag zur "Vergabe in Zeiten von Corona – Ansicht einer Auftraggeberin" vor. Fritz, die in Tübingen für Vermögen und Bau Baden-Württemberg als Architektin tätig ist, zeigte in ihrem kenntnisreichen Vortrag auf, dass die Coronakrise derzeit noch nicht zu geringeren Bauausgaben geführt hat. Vielmehr wies sie darauf hin, dass es für den öffentlichen Auftraggeber oftmals ein Ärgernis sei, wenn Planer Aufträge übernehmen, die sie zeitlich nicht stemmen könnten. Auch würden oftmals Spezialisten in den Referenzen als Planer genannt, die dann während des Bauablaufs gar nicht zur Verfügung ständen. Fritz appellierte an die Planerschaft, einen Auftrag abzulehnen, wenn dieser zeitlich gar nicht zu bewältigen sei. So manchem Auftraggeber sprach sie mit ihrer Aufforderung aus dem Herzen.
Mit Dr. Fred Gresens, dem Vorsitzenden der Strategiegruppe Vergabe Wettbewerb der Architektenkammer, konnte ein zweiter Vertreter der Architektenschaft als Referent des Vergabetages gewonnen werden. Gresens stellte Wettbewerbe und Auslobungen aus Sicht der Architektenkammer dar. In einem überzeugenden, kraftvollen Plädoyer warb Gresens für die Vorteile eines Planungswettbewerbs. Häufig verwendete Gegenargumente wie die Dauer oder zu hohe Kosten eines Wettbewerbs widerlegte er mit Verweis auf eine ministerielle Studienauswertung: Weder dauern Wettbewerbe signifikant länger, noch sind ihre Kosten von Gewicht.
Gegen Mittag wurde dann die neue HOAI 2021 im Allgemeinen und aus dem Blickwinkel des Vergaberechts betrachtet.
Die große Anzahl der Zuschauerinnen und Zuschauer sowie die vielen Fragen, die während des Vergabetages den Referenten online gestellt und von diesen beantwortet werden konnten, zeigen die hohe Bedeutung und Qualität dieser Veranstaltung. Zwar bedauerten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass der übliche Plausch am Bistrotisch zum Mittagsessen ausfallen musste, dennoch war dieser Online-Vergabetag ein voller Erfolg. Die Ingenieurkammer Baden-Württemberg und ihre Geschäftsführerin Davina Übelacker, die maßgeblich die Vorbereitung und Durchführung des Vergabetages zu verantworten hatten, können sich berechtigterweise auf die Schulter klopfen: Auch digital ist eine solche Veranstaltung erfolgreich möglich.