Wer will Professorin werden oder wer träumt von einer Amtsleitung?
Im Kammerbezirk Karlsruhe existiert das AiK_Netzwerk Architektinnen und Planerinnen seit mehr als 10 Jahren. Im letzten Jahr hat sich das Angebot an Veranstaltungen drastisch reduziert; in diesem Jahr allerdings haben sich neue Techniken und Formate entwickelt.
Aktuelle Fakten zur Gleichstellung: _ der Gender-Pay-Day war in 2020 am 17. März 2020 _ der Gender-Pay-Day war in 2021 am 10. März 2021 _ der Gender-Pay-Gap errechnet für 2020 den Wert von 18 v. H. (in unserem Berufsfeld aktuell 13 v. H.*)
So unterschiedlich sind die Bezahlungen für Berufsarbeit von Frauen und Männern! Diese Informationen brauchen wir im Hintergrund für unsere Berufs- und Stellenwahl, sowie für Gehaltsverhandlungen. Den Planerinnen aller Disziplinen begegnen oft Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern in den Berufs- und Karrierewegen. Die Gründe sind vielfältig. Es liegt auch daran, dass viele Frauen in Teilzeit arbeiten. In der „übrigen“ Zeit sind sie nicht untätig; meist leisten sie Ehrenamtliches oder (bis jetzt noch) unbezahlte Familienarbeit.
Die Ausgangsthese lautet, dass kaum eine Planerin davon träumt, eine Amtsleitung oder eine Professur anzustreben. „Warum nicht?“ - mit entsprechender Unterstützung, privat und beruflicher Art, kommt es eben vielleicht doch in Frage!
In der Stadt Karlsruhe gibt es einige bekannte Professorinnen und öffentliche Ämter, die mit Frauen an der Spitze besetzt sind. Unter dem Motto „Berufs- und Karriere¬wege“ wurden vier Referentinnen eingeladen, ihre Werdegänge mit und ohne Kinder darzustellen. Sehr individuell und persönlich schilderte jede Referentin, wie sich ihre Karriere entwickelte. Aus den Lebensläufen seien hier nur einige Stichworte zitiert: _ Studium der Architektur und / oder Stadtplanung, Praktika im In- und Ausland, Berufstätigkeit bei (mehr oder weniger) berühmten Architekturbüros, gewonnene Wettbewerbe, Selbständigkeit, Aufbaukurse, Kurswechsel, Partner mit eigenen Karrierewegen, spontane Entscheidungen, gut überlegte Bewerbungen, Lehraufträge, Dissertationen etc. _ Unterstützungen, z. B. durch Eltern, Partner, neue Partner, Freund*innen und Mentor*innen, die zur rechten Zeit die richtigen Fragen stellten u. a. _ Mut und Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Befragung des Herzens und Neugier auf Herausforderungen Durch diese sehr privaten Schilderungen entstanden bei den ca. 50 Teilnehmerinnen (online und nur einige wenige in Präsenz) Vorstellungen und Bilder von vier sehr unterschiedlichen Karrieren, die an der Spitze eines großen Amtes mit vielen Mitarbeiter*innen stehen. Es gab viele Nachfragen zu ihrer Entscheidungsfindung, zur Vereinbarkeit mit der Familienarbeit oder ihrer Vorbilder.
Nicht zuletzt bot dieses Forum den Amtsleiterinnen auch die Möglichkeit, für Nachwuchskräfte in ihren Ämtern zu werben. Denn gerade der Öffentliche Dienst bietet flexible Bedingungen und Arbeitszeit-modelle, z. B. für Arbeit, die „sowohl-angestellt-als auch-selbständig“, sein kann, für Mütter und Väter. Ebenso sehr sind heute Planerinnen, (Frauen und Männer) nach ihrer Familienphase gesucht, mit Profil und Erfahrung. Das gibt Hoffnung, dass ein Wiedereinstieg oder der Wechsel zu neuen Heraus- forderungen gut gelingen kann. Auch Hochschulen und Universitäten bieten gute Chancen in der Lehre zu wirken. Auf dem Weg zu einem Lehrauftrag oder zu einer Professur kann eine Interessierte auf ein Netzwerk von Mentorinnen vertrauen und im Land Baden-Württemberg das Mathilde-Planck-Lehrauftragsprogramm in Anspruch nehmen.
Dieser erste Abend bot jede Menge Ideen und Kontakte, in geeigneten Netzwerken Unterstützung zu nehmen und zu geben und auf diese Weise die eigene Karriere zielorientiert zu verfolgen. Ausgewogene Arbeitsverteilung und gerechte Entlohnung können wir auch erreichen, indem wir motiviert und mutig hoch qualifizierte Stellen ausfüllen wollen. Und, nicht unerheblich, erzielt eine gute Bezahlung ganz folgerichtig auch eine gute Absicherung im Alter, die auf eigenen Füßen steht.
Dank an alle Referentinnen und Mitwirkende des Abends _ Frau Prof. Susanne Dürr, Hochschule Karlsruhe, Vizepräsidentin AKBW _ Frau Prof. Dr.- Ing. Anke Karmann-Woessner, Amtsleitung Stadtplanungsamt Karlsruhe _ Frau Ursula Orth, Amtsleitung Vermögen + Bau Karlsruhe _ Frau Monika Regner, Amtsleitung Bauordnungsamt Stadt Karlsruhe _ alle teilnehmenden Planerinnen in der Teams-Sitzung _ Susanne Böhm, Geschäftsstelle KB KA, Verwaltung und Technik _ Dr. Simone Kraft, Architekturschaufenster ASF, Koordination und Technik
Die nächste Veranstaltung (anerkannte Fortbildung der AKBW) in dieser Reihe ist im Oktober 2021 im ASF geplant. Selbständige und Angestellte (Innen-, Hochbau-, Landschaftsplanerinnen) der anderen Planungsdisziplinen werden eingeladen werden, ihren Berufs- und Karriereweg zu präsentieren.
Barbara Friedrich Dipl.-Ing. Architektin AiK _ Netzwerk BV KB KA im erweiterten Vorstand LVV KB KA