Die neue HOAI: auch die angestellten Architektinnen und Architekten sollten von ihr profitieren
Die Architektenschaft atmet auf: Die im Juli 2013 in Kraft getretene neue HOAI erhöht die Honorare in allen Leistungsbildern um durchschnittlich rund 20 Prozent. Durch die längst überfällige Anpassung an die wirtschaftliche Entwicklung wird die Auskömmlichkeit der Honorare entscheidend verbessert.
Die aktualisierten Leistungsbilder entsprechen nunmehr den komplexeren Anforderungen an die Planung. Die neue HOAI leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung einer hohen Bauqualität sowie zum Verbraucherschutz. Bei aller Freude darüber stellt sich allerdings die Frage: Was haben die in Büros angestellten Kolleginnen und Kollegen von der neuen HOAI 2013?
Vergleicht man die Gehälter von Absolventen ähnlich aufwändiger und intensiver Studiengänge, so ist allgemein im Bauwesen und ganz besonders im gestalterischen Bereich das Einkommensniveau beklagenswert unterdurchschnittlich mit durchaus vorhandenen Ausnahmen. Wir wollen hier nicht weiter über die Gründe des niedrigen Niveaus spekulieren. Auch die Frage, weshalb Architekturabsolventen in der Bauindustrie oder im öffentlichen Dienst in der Regel deutlich besser verdienen, kann offen bleiben.
Tatsache ist, dass in der modernen Gesellschaft das Einkommen ein deutlicher Maßstab für den Wert einer Person und somit auch für den Wert eines ganzen Berufstandes darstellt. Den angestellten Architekten droht das Schicksal der sozialen Berufe: dringend benötigt, aber unterbezahlt und gesellschaftlich nicht wertgeschätzt.
Angemessene Bezahlung ist am Arbeitsplatz Attraktivitätsfaktor Nr. 1
Während bei Umfragen unter Studenten und jungen Berufstätigen die spannende Aufgabe die Liste der wichtigsten Attraktivitätsfaktoren für Arbeitsplätze anführt, zählt für die Gesamtheit der deutschen Arbeitnehmer vor allem die Bezahlung (67 Prozent), gefolgt von der Wertschätzung für die geleistete Arbeit (49 Prozent). Das ist das Ergebnis des Arbeitsklima-Index, für den die Job AG, Fulda im viertes Quartal 2012 etwa 1.100 ausgewählte berufstätige Frauen und Männer aus allen Regionen, Altersgruppen und Bildungsschichten Deutschlands befragt hat.
Gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter sind eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg eines Architekturbüros. Eine angemessene Bezahlung sichert dem Architekturbüro leistungsbereite, zufriedene und kreative Arbeitskräfte. Es ist also höchste Zeit, sich bei der Bezahlung nach oben zu orientieren.
Wir als Arbeitskreis der angestellten und beamteten Architekten fordern eine angemessene Partizipation an der verbesserten Einkommenssituation der Planungsbüros für die von uns vertretenen Kolleginnen und Kollegen. Gute Leistung muss auch im Büro ihren Preis haben.