Stadt und Leben war die dritte Staffel der Z 21-Reihe überschrieben. Am Ende ermunterte Moderator Urs Kohlbrenner die Stuttgarter: "Machen Sie Experimente!"
Beim Thema "Stadt und Leben" kommt, laut Moderator Prof. Urs. Kohlbrenner, immer das Wohnen vor. Spontan fiel ihm das Zitat von Heinrich Zille ein: „Mit einer Wohnung kann man einen Menschen genauso erschlagen wir mit einer Axt." Der Wohnungsbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Zeit, in der Zille lebte, hatte seine Schwächen genau so wie der nach dem zweiten Weltkrieg, der den Begriff der „grünen Witwe" prägte. Begriff wie Zitat verweisen wenig auf Lebenswertes. Heute ist ein zunehmendes Interesse an kleinen Einheiten und neuen Formen des Eigentums am Markt festzustellen. Welche Rahmenbedingungen es brauche und welche Ansätze derzeit verfolgt werden, stand im Fokus des Abends.
Andreas Epple von der Epple Projekt GmbH in Heidelberg begann seinen Vortrag mit dem mathematischen Dreisatz als intellektuellen Ansatz zur Lösung der Frage: Wie kann qualitätsvolle Quartiersentwicklung gelingen? Wenn die Rendite aus Wertveränderungen des Grundstücksvorrats den kurzfristigen Transaktionsgewinn übersteige, entstehe ein Zwang zum nachhaltigen Wirtschaft, so Epple. Es gelte also, die richtigen ökonomischen Ansätze zu schaffen, damit dauerhaft bezahlbarer Wohnraum entstünde, der u. a. auch auf künftige Veränderungen der Bedürfnisse baulich reagieren könne. Er empfahl, städtische Grundstücke in Erbpacht zu vergeben, und – bezogen auf Stuttgart 21 und die im Schlichterspruch empfohlene Stiftung – diese kompetent zu besetzen. Damit böte sich der Landeshauptstadt die Chance für ein permanentes Quartiersmanagement.
Wie man gute Gestaltung auch ohne Partizipationsprozesse schaffe, verriet der Berliner Architekt Sascha Zander. Sein Büro handle mit den Bauträgern beispielsweise immer eine Zielvorgabe mit freiem Gestaltungsmandat aus. Partizipation im Wohnungsbau führe diesbezüglich nämlich allzu häufig nur zu Gebäuden mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner.
Nach der abschließenden, rege geführten Diskussion resümierte Moderator Urs Kohlbrenner: Im Wohnungsbau habe ein Rezept das anderes abgelöst – ergo: er gäbe kein Rezept! Er riet, in Stuttgart eingetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu beschreiten: „Machen Sie Experimente – aber innerhalb des Dreisatzes!"
So die stark gekürzte Version des Abends, berichtet von Carmen Mundorff - nachfolgend haben Sie die Gelegenheit, alle Beiträge des Abends ausführlich anzuschauen und zuhören: