Veranstaltung „Energie – aber wie?“: Statement der AKBW
Energie – aber wie? Nach dem Erdbeben und Tsunami am 11. März in Japan scheint die Welt angesichts der drohenden Nuklearkatastrophe eine andere zu sein. „The optimist sees the opportunity in every difficulty”, meinte aber schon der britische Premierminister Winston Churchill. Der sofortige Ausstieg aus der Atomenergie wird sicher nicht gelingen, doch wir sind in der Lage, die Voraussetzungen zu schaffen, dass der Energieverbrauch nicht weiter steigt. Architekten und Ingenieure können dazu ihren Beitrag leisten. Wie dieser aussehen kann, zeigen die Erfolge deutscher Studententeams beim Solar Decathlon in Washington 2007 und 2009 sowie in Madrid 2010. Bei diesen Wettbewerben geht es darum, welches Hochschulteam das beste energieautarke Wohnhaus baut. Zehn Disziplinen müssen die Studierenden dabei absolvieren. Es werden hohe Anforderungen an die Energieeffizienz und die Einbindung solarer Energiegewinnung in das Konzept gestellt; darüber hinaus stehen architektonische Qualitäten des Gebäudes, die Kommunikation der Ideen und die Marktfähigkeit zur Bewertung.
Architektur kann zur Energiedebatte also einen entscheidenden Beitrag leisten. Die Häuser der Studententeams zeigen aber auch, dass Energie nicht alles ist. Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat für 2011 das Jahresmotto „Zukunft Architektur: nachhaltig entscheiden“ gewählt. Nachhaltiges Bauen ist im Grundsatz nichts Neues. Schon nach Vitruv, Architekt und Ingenieur zu Zeiten von Caesar und Augustus, ruhte die Architektur auf drei Prinzipien: Stabilität (firmitas), Nützlichkeit (utilitas) und Anmut (venustas). Heute, das Bauen ist komplexer geworden, beruft man sich auf sechs Prinzipien bzw. Qualitäten im Bereich von:
Ökologie
Ökonomie
soziokulturellen und funktionalen Aspekten
Technik
Planungs- und Bauabläufen
Standorten
Nachhaltige Bauten sind weit mehr als nur „Green Building“, sie stehen für Wirtschaftlichkeit und eine neue Baukultur; verlangen im Neubau wie im Bestand veränderte bauliche Konzepte. Und sie benötigen neues, auf die Lebenszyklen von Gebäuden und Bauteilen bezogenes wirtschaftliches, technisches Denken und entsprechendes Entwerfen und Gestalten. Dies setzt nicht nur die Entwicklung und Anwendung innovativer technischer Systeme voraus, sondern verlangt darüber hinaus neue Formen der Kooperation von Planenden und Handelnden. Es erfordert folglich auch ein Umdenken der Politiker. Mit vorausschauendem Städtebau und guter Architektur können neben der Energieeinsparung auch entscheidende Grundlagen für die Bewältigung des demografischen Wandels sowie Konzepte für das gesellschaftliche Miteinander geliefert werden.
Das Logo zum Jahresthema der Architektenkammer symbolisiert daher (in Anlehnung an den Vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci), dass der Mensch das Maß aller Dinge ist. Mit unseren Planungen heute beeinflussen wir das Leben der uns nachfolgenden Generationen und die Umwelt.
Carmen Mundorff
21.09.2011
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