Zwei Häuser auf kleinem Raum
Feldbergstraße 44+46
70569 Stuttgart-Süd/Kaltental
Julia Beierbach und Uwe Beierbach, Stuttgart; Ina Walden und Steffen Walden, Stuttgart
Julia und Uwe Beierbach, Ina und Steffen Walden, Stuttgart
2014
Zum Kauf angeboten wurde ein Grundstück in Stuttgart-Kaltental mit 418 m² Fläche. Auf dem Grundstück befanden sich zwei kleine Wohnhäuser, deren Grundsubstanz aus dem Jahr 1896 stammte. Zwei junge Architektenpaare sahen hier die Chance, trotz begrenztem Budget und den ortsüblichen Grundstückspreisen gemeinsam ansprechenden Wohnraum für beide Familien zu schaffen.
Aufgrund der Baufälligkeit der Substanz musste der ursprüngliche Plan, die Gebäude zu erhalten und zu sanieren, aufgegeben werden. Nach Bauvorschrift wäre jedoch der Neubau eines Wohngebäudes im Rückbereich nicht zulässig gewesen. Die Planung, das städtebauliche und räumliche Gefüge des Umfelds zu erhalten und aufzuwerten, überzeugte jedoch Nachbarn und Stadtplanungsamt, deren Unterstützung die erforderlichen Befreiungen durch das Baurechtsamt ermöglichten.
Kubatur und Typus der Neubauten greifen den Bestand auf. Das Hinterhaus wurde von den Grenzen und vom Vorderhaus etwas weiter abgerückt. Dadurch konnten auf kleiner Fläche qualitätvolle Außenräume geschaffen werden, diese bilden sozusagen Freiluft-Wohnräume. Sichtachsen über die gesamte Tiefe des Grundstücks verleihen der räumlichen Dichte Auflockerung und Weite. Die großzügige Einfahrt bietet gemeinsame Spielfläche für die Kinder und präsentiert den Charme der angrenzenden Giebelwand des Nachbargebäudes.
Die Gebäude wurden als Ensemble konzipiert. Einheitliche, zurückhaltende Farbgebung, Kubatur und Materialität binden die Gebäude zusammen, während Varianz in konstruktiven Details Eigenständigkeit und Identität verleiht. Das Vorderhaus thematisiert die klassische Lochfassade und fügt das Ensemble in die Straßenfront ein. Zurückliegende Fenster mit abgesetzten Leibungen greifen ein Thema der umgebenden Bestandsgebäude in moderner Form wieder auf. Das Hinterhaus betont den Charakter eines Solitärs, der kompakt im umgebenden Grün steht. Flächenbündige Fenster mit dunkler Rahmung betonen die spannungsreiche Anordnung und Größe der Fensterflächen.
Bei annähernd identischer Außenform sind die Grundrisse der beiden Gebäude völlig eigenständig. Auch hier wurden auf begrenztem Raum Offenheit und Großzügigkeit geschaffen. Vorne bietet eine kompakte, gewendelte Treppe Raum für offen zonierte Räume im Erdgeschoss und einen Spielflur im Obergeschoss. Hinten bildet eine einläufige Treppe einen freistehenden Kern im Erdgeschoss und öffnet sich im Obergeschoss in einen Luftraum. Räume und Fenster sind hier so angeordnet, dass trotz der Dichte auch im Außenbereich des Vorderhauses die gewünschte Privatsphäre gegeben ist. Beide Häuser bieten großzügige, lichtdurchflutete Räume durch die Einbeziehung des Außenraums mit gezielt platzierten, deckenhohen Glasflächen. Weiter gesteigert wird die Raumwirkung durch die reduzierte Materialität der Räume.
Beide Gebäude entsprechen dem KfW-70-Standard. Das Vorderhaus verfügt über eine effiziente Pelletsheizung, im Hinterhaus wird die Energieeinsparung durch entsprechende Verglasungen, Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung und Solarkollektoren erreicht.




