Technologie- und Dienstleistungszentrum - Vollmer Werke GmbH
Ehingerstraße 34
88400 Biberach an der Riß
Planergemeinschaft CGA GSA, Clea Gross Architekten, Zürich; Gurland + Seher Architekten, Rolf Gurland, Sabine Seher, Biberach an der Riß Landschaftsarchitektur: Ryffel + Ryffel, Uster
Vollmer Werke GmbH, Biberach an der Riß
2009
Mit dem Neubau eines Technologie- und Dienstleistungszentrum, das der Maschinenausstellung und -vorführung, sowie der Schulung von Kunden und Mitarbeitern dient, ist die strategische Neuorientierung des Maschinenherstellers Vollmer Werke GmbH in Biberach/Riß verbunden. Prägten bisher reine Zweckbauten das architektonische Erscheinungsbild des Unternehmens, so soll der Neubau auch das Bedürfnis erfüllen, repräsentativ zu sein und die Marke "Vollmer" in Architektur zu übersetzen. Obwohl das Unternehmen mit seinen Produkten Weltmarktführer ist, wurde es bisher am Standort kaum wahrgenommen.
Das Gebäude bekam neben den funktionalen Anforderungen die Aufgabe, die "Vollmerwelt" zu repräsentieren und zu charakterisieren. Daraus leiteten wir die Entwurfsidee, das Gebäude als Schaufenster zu konzipieren, ab. Die Lage des Grundstücks am Ortseingang unterstützte diesen Ansatz.
Durch die geschosshohe und großzügige Verglasung übernimmt die Fassade zur Straße die Funktion einer Vitrine, in der die Maschinen schon von der Straße zu sehen sind, wodurch im übertragenen Sinn Transparenz und Offenheit des Unternehmens assoziiert werden.
Ganz anders präsentiert sich der zum Firmenareal orientierte Gebäudeteil. Durch die homogene Blechfassade wird die Formensprache profaner Industriebauten aufgenommen und adaptiert. Die Gestaltung der Außenhülle verweist hier auf Technologie und industrielle Fertigung. Die Fassade aus gefalteten Aluminiumblechen leitet sich in der Materialwahl aus der Werkzeugtechnologie ab.
Mit etwa 1.000 Quadratmetern bildet der Vorführraum das Herzstück des Baus. Durch die Wahl einer Vierendeel-Trägerkonstruktion, deren Ursprung zeitlich mit der Gründung des Unternehmens Vollmer 1909 zusammenfällt, kann der acht Meter hohe Raum stützenfrei überspannt werden. Dadurch bleibt der Blick auf die Maschinen überall im Gebäude unverstellt. Kunden und Mitarbeiter sind immer wieder in (Blick-)Kontakt mit dem Produkt.
Um den Vorführraum herum befinden sich im Erdgeschoss neben Empfang und Cafeteria, Besprechungsboxen und offene Gesprächsbereiche. Das Obergeschoss mit Büro- und Schulungsräumen, ist über Kaskadentreppen mit dem Maschinenvorführraum verbunden.
Die wesentlichen Elemente der Materialisierung stellen Glas, Aluminium, Sichtbeton und der dem Firmen-CI entsprechende orange Epoxitharz-Boden im Vorführraum dar. Der Boden ist gleichsam die Bühne für das Produkt. Das einfallende Zenitallicht generiert einen orangen Farbraum, der sich in Abhängigkeit der Lichtverhältnisse stetig wandelt.
Die Materialien werden in leicht verfremdeter Weise zum Einsatz gebracht. In Anlehnung an konventionelle Industriebauten mit der obligaten Trapezblechverkleidung wurde Aluminiumblech verwendet, das in einer Weise gefaltet ist, die nicht mehr eindeutig auf Industriehallen verweist, sondern auf subtile Art in einen Dialog mit der Umgebung tritt. Je nach Tageslicht verändert sich die plastische Erscheinung der Oberfläche des Bleches.
Die Sichtbetondecken spielen ebenfalls mit dem einfallenden Licht. Die durch die glatte Schalung ohnehin leicht glänzende Oberfläche wurde durch eine zusätzliche Lackierung überhöht. Es entsteht eine Art virtueller Patina, die den Verlauf der Zeit spürbar macht.
Projektbeteiligte
Tragwerksplaner: Lüchinger + Meyer, Zürich
TGA-Planung: IB Zieher Technic, Ulm
Elektroplanung: IB Neher Butz, Konstanz
Bauphysik: Brüssau Bauphysik, Fellbach




