Quartiershof "Rossbollengässle"
Röte-/Vogelsangstraße
70197 Stuttgart-West
Bez+Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart; Projektleiterin Daniela Bäcker; Büro Hink Landschaftsarchitektur, Schwaigern, Projektleiter: Michael Hink Landschaftsarchitekt bdla
Landeshaupststadt Stuttgart, Garten-, Friedhofs- und Forstamt, Tiefbauamt
2012
Freifläche: ca. 2.000 m²
Planung und Bauleitung: 2009 - 2012
Funktionales Konzept
Auf städtischem Grund im Quartier Vogelsang-/Röte-/Seyffer-/Paulusstraße entstand nach Durchführung einer Machbarkeitsstudie gemeinsam mit den Anwohnern die Neugestaltung des Innenhofs, der von Bestandsgebäuden in typischer Gründerzeit-Atmosphäre mit überwiegend Klinkerfassaden eingerahmt ist.
Drei Hauptdefiziten des äußerst dicht besiedelten Stuttgarter Westens wurde entgegengewirkt:
- der Abbruch von zwei Wohngebäuden bringt Licht und Luft in den engen Blockinnenbereich
- eine Tiefgarage schafft wertvollen Raum für 72 Autos
- auf dem Dach der Garage entsteht eine attraktive terrassierte Grünanlage mit Spielangeboten für Kinder
Die Anschlüsse an vorhandene Bebauung und Wege werden mit einbezogen. Das sogenannte Rossbollengässle wird durch einen gepflasterten Weg wieder hergestellt. Seine Bezeichnung erhielt das Gässle von einer früher dort angesiedelten Pferdetränke.
Freiräumliches Konzept
Das räumlich gefaltete Dach der Tiefgarage zeichnet die vorhandene Topographie des Areals nach und schafft ein überraschendes Raumerlebnis. An ihrem Rand fällt durch einen Lichtschlitz Streiflicht tief in die Untergeschosse. Angelehnt an die Schollen-Struktur des Daches wurden mit Geländekeilen terrassierte Flächen geschaffen, die eine gute Nutzbarkeit ermöglichen.
Zonierung und Nutzungen
Die öffentliche Gesamtanlage setzt sich aus dem Rossbollengässle, der Hofterrasse, Spielterrasse, Rasenterrasse und Abendterrasse, sowie randbegleitenden Grünflächen zusammen. Spiel-, Sitz- und Liegeangebote ermöglichen das Zusammenkommen von Jung und Alt. Insgesamt entsteht der Charakter eines offenen Hof-Gartens mit Aufenthaltsqualität für Anwohner und Besucher. Zusammen mit der hellen Materialauswahl bildet der Raum eine attraktive Kulisse für die Innenhoffassaden und fördert die Identifikation der Anwohnern mit "ihrem" Rossbollengässle.
Begrünung
Es entsteht eine Grünanlage mit hoher visueller, ökologischer und sozialer Attraktivität. Die Versiegelung wird auf das notwendige Maß beschränkt, die Aufheizung des Hofes reduziert. Eine Esskastanie bildet den räumlichen Mittelpunkt. Schmale, immergrüne Zaunhecken grenzen den öffentlichen Raum wo nötig vom privaten ab und schaffen Blickgrenzen bei minimalem Flächenverbrauch. Die Bäume, Sträucher und Hecken verbessern durch ihre Verdunstungsleistung das Klima. Die Pflegeanforderungen wurden durch die Auswahl der Gehölze und Stauden reduziert.
Wahrnehmung
Die Gestaltung der Freifläche ermöglicht durch ihre Offenheit sowohl Einblicke von der umliegenden Bebauung (soziale Kontrolle, Blick ins Grüne), als auch Räume, in die man sich zurückziehen kann. Die durch die hohe Bebauung reduzierte Besonnung wird durch die Gestaltung maximal ausgenutzt.
Nutzungskonzept
- Die Hofterrasse im Zentrum dient als Treffpunkt des Rossbollengässles für Veranstaltungen und als Ort der Begegnung.
- Auf der ebenen, mit Schotterrasen belegten Fläche können Spiele stattfinden.
- Die Spielterrasse lädt Kinder von 1 bis zu ca. 8 Jahren zum Spielen ein. Eltern können sich auf den Sitzmöglichkeiten treffen und unterhalten.
- Die Rasenterrasse mit Felsenbirnenhain und den Liegemulden bilden das grüne Zentrum aus. Spielgräser ergänzen das Bewegungsangebot auf der Rasenfläche für etwas größere Kinder.
- Die Abendterrasse mit Sitzmöbeln lädt zum Entspannen und Treffen ein.
- Die Geländekeile stufen die schräge Dachfläche ab und sind gleichzeitig interessante Spiel- und Sitzmöbel.




