Einfamilienhaus
Umweger Straße 11
76534 Baden-Baden
PLANUM architekten, Michael Schönle + Thomas Velten, Bühl
Isabelle Weide und Harald Prieß, Baden-Baden
2010
Innerstädtische Nachverdichtung mit einem Energiespar–Designhaus
Ein nur 297 m² kleines Grundstück und jede Menge städtebaulicher Zwänge dienten als Ausgangspunkt für die Planung. Das Grundstück wurde seit 1930 als Versorgungsfläche genutzt und war besetzt mit einer ca. 500 m³ großen Trafostation für das umliegende Quartier. An der Südseite des Grundstücks ist zusätzlich ein Überfahrtsrecht in Verbindung mit einem Leitungsrecht eingetragen, welches zusätzlich 35 m² der Grundstücksfläche blockiert. Ursprünglicher Entwurfsgedanke war die Umnutzung der alten Trafostation, da diese mit 11,5 m x 5 m Grundfläche und einer Höhe über 12 Metern eine stattliche Dimension hatte. Aufgrund der ca. 60 cm starken Wände im EG wurde der Gedanke relativ schnell verworfen und ein Rückbau der Trafostation favorisiert.
Das Grundstück wurde in Zusammenarbeit mit der Stadtplanung vom Versorgungsgelände zu einer Baulücke entwickelt und erschlossen. Trotz der geringen Bruttogrundfläche des Hauses von nur 74 m², waren nur wenige Befreiungen notwendig, um ein Gebäude zu erstellen, welches am Ende eine Gesamtwohnfläche von 150 m² plus einem Keller von 48 m² aufweist.
Um diese Flächen zu generieren war die Planung eines nutzbaren Steildaches notwendig. Dieses Steildach war auch das ausschlaggebende Element bei der Gestaltung. Es entstand eine archetypische Architekturform, die sich sehr stark an den benachbarten Siedlungsbauten der 1950er Jahre orientierte. Die einfache Struktur der kleinen Typenbauten aus den Nachkriegsjahren wurde übernommen und mit modernen Materialien in Abstimmung mit aktueller Gebäudetechnik in eine zeitgemäße Architektur übersetzt. So entstanden Überstände, die als zusätzliche Dämmstoffschichten die wärmetechnisch problematischen Gebäudekanten entschärfen und Jalousiekästen aus Edelstahl, welche als umlaufende Fensterrahmen die Natursteineinfassungen des benachbarten, traditionellen Fensters aufnehmen. Durch die einheitliche Blechverkleidung verschmelzen Wand und Dach entlang der gesamten Längsseiten und unterstützen den städtischen Charakter des Hauses an der viel befahrenen Straße. Der glänzende Edelstahlkamin steht als vertikale Skulptur vor der Fassade. Sowohl die Dachrinne als auch die Regenfallrohre konnten hinter der Blechverkleidung versteckt werden. Eine Kontrolle und eine Reinigung durch Revisionsöffnungen ist möglich.
Die Blechverkleidung ist die Äußerste von insgesamt 8 Bauteilschichten der Außenwand. Dieser vielschichtige Aufbau ermöglichte eine ideale Anpassung auf die hohe Schallemission der vorbeiführenden Straße. Schweres Mauerwerk in Verbindung mit einer dicken Vorsatzschale aus schwerem, biegeweichem Mineralfaser-Dämmstoff reduzieren die unterschiedlichen Schwingungsfrequenzen und führen zu einem angenehmen Schalldämmwert im Innern des Hauses. Die Terrassenüberdachung und der Carport sind aufeinander abgestimmte Stahlkonstruktionen, welche deutlich als Anbauten erkennbar sind und den kleinen, liebevoll gestalteten Garten einrahmen.
Städtebaulich entstand so ein modernes Haus, das sich trotz der traditionellen Gestaltungselemente, selbstbewusst in die Häuserreihe integriert. Sowohl Lage, Größe, Form als auch die Materialwahl lassen sich aus genau dieser Situation ableiten und verstehen. Dieses Gebäude sehen wir als Lösung einer aktuellen Bauaufgabe mit einer zeitgemäßen Architektur, die sich respektvoll in die Umgebung einpasst. Sympathisch aus unserer Sicht ist die Verweigerung des Hauses, sich einem Stil zuordnen zu lassen.
Auffälligstes Element im Innern ist das mit Licht durchflutete Treppenhaus, welches die vier Ebenen erschließt. Verglaste Wandöffnungen ermöglichen spannende Ein- und Durchblicke. Durch den Verzicht auf massive Innenwände bleibt jedes Geschoss mit seinen rund 46 qm Raumfläche als Ganzes erhalten und wirkt dementsprechend großzügig. Jedes Geschoss erhält so jeweils nur eine der Funktionen, Wohnen, Schlafen, Arbeiten und Lagern.
Die Lüftung erfolgt über eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit einer Wärmerückgewinnung über 90%. Da das Brauchwasser über eine CO 2 neutrale Pelletsheizung erzeugt wird, kann auf eine solare Warmwasserbereitung verzichtet werden. Der Pelletsspeicher befindet sich als externer Erdtank im hinteren Grundstücksteil. Als Heizflächen wurde eine Niedertemperatur-Fußbodenheizung eingesetzt, welche in jedem Geschoss über einen eigenen Unterverteiler gesteuert wird. Ein raumluftunabhängiger Holzofen wird zwar wärmetechnisch nicht benötigt, sorgt aber im Winter für eine sehr angenehme Atmosphäre. Alle Räume sind mit Media- Kabeln ausgestattet, so dass sowohl eine gebäudeinterne Vernetzung als auch Internet überall möglich ist.




