Ehemaliges Gesindehaus - Sanierung, Ausbau und Unterkellerung
Goezstraße 7
70599 Stuttgart
Peter Schell Stuttgart
Kerstin und Joachim Adam, Stuttgart
2004
Baubeginn: September 2003
Fertigstellung: Juni 2005
Nutzfläche: 183 qm
Umbauter Raum: 685 cbm
Es handelt sich um ein relativ kleines Gebäude, Baujahr ca. 1800, wohl einst als so genanntes Gesindehaus erbaut, seit langem leer stehend und unter Schutz nach §2 des Denkmalschutzgesetzes. Das Gebäude war früher nur im OG zu Wohnzwecken ausgebaut. Im Sockelgeschoss befand sich der Stall, der gesamte Dachraum war Bühnen- und Abstellraum und natürlich ungedämmt. Auf Grund des hohen Baualters und der lange Zeit fehlenden Nutzung war das Gebäude nicht nur vom äußeren Erscheinungsbild her auffallend sanierungsbedürftig. Wegen der formalen Qualität des Baukörpers und seiner exponierten Lage im Straßenbild fiel die Entscheidung zu Gunsten einer umfassenden Sanierung letztendlich nicht schwer.
Im Zuge der Planung und Durchführung wurde für die junge Familie der Eigentümer EG, OG und DG zu Wohnraum ausgebaut und durch eine zusätzliche Unterkellerung dringend notwendige Nebenräume geschaffen. Die Bauherrschaft wollte neben der denkmalgerechten auch ausdrücklich eine energiebewusste Sanierung.
Dämmung Dachkonstruktion
Wegen der noch weitgehend ursprünglich erhaltenen Dachkonstruktion, deren typischen Verformungen und zum plausibleren Erfahren der gesamten Konstruktion (nicht zuletzt auch wegen des optisch ansprechenden Ergebnisses) wurde die Dachdämmung als so genannte Aufdachdämmung ausgeführt, d.h. es wurde über den innen sichtbar verbleibenden Sparren, auf einer Holzschalung, eine mineralische Wärmedämmung aufgebracht. In einer aufwändigen Detailplanung wurde das ‘Verstecken’ der Dämmstärke bewerkstelligt, um ungünstig plump erscheinende Dämmpakete an Traufen und Ortgängen zu vermeiden.
Dämmung Außenwände
Fachwerkaußenwände (OG und Giebel)
Die gerade bei Fachwerkwänden problematische Innendämmung ist immer nur dann zwingend das Mittel der Wahl, wenn es sich um ein hochwertiges, baugeschichtlich bedeutendes Sichtfachwerk handelt. Sie erfordert ein hohes Maß an Sorgfalt bei der Ausführung, aber auch eine ständige Nachpflege der kritischen Anschlüsse an der Außenhaut und ist bei aller Sorgfalt latent schadensträchtig. Abgesehen von der heizungstechnisch ungünstigen Auswirkung macht eine Innendämmung auch die oft kleinen Raumflächen spürbar noch kleiner. Aus diesen Gründen wurde hier zu Gunsten einer Außendämmung entschieden, deren Stärke so ausreichend wie nötig und so knapp wie möglich bemessen wurde, um dem Bautenschutz, einer noch sinnvollen Energieeinsparung und der Behaglichkeit Rechnung zu tragen.
Wichtig war hier, dass man nicht durch eine gut gemeinte weitere Verstärkung der Dämmung ungewollt sogar bauphysikalische Probleme an Übergängen zu anderen Bauteilen herbeiführt und außerdem noch die Erscheinung von außen durch eine übertriebene ‘Pausbäckigkeit’ über dem Sandsteinsockel beeinträchtigt. Ausgeführt wurde eine mineralische Dämmung mit kleinformatigen Platten und stehenden Lamellen, um den Verformungen in der Wandoberfläche besser folgen zu können.
Die Option, das ehemals sichtbare (rein konstruktive) Fachwerk hinter einem Dämmsystem verschwinden zu lassen, wurde mit dem Landesdenkmalamt durchaus angeregt diskutiert. Wissend, dass das Haus ohne Sichtfachwerk künftig ein völlig anderes ‘Gesicht’ haben wird, wurden auch Alternativen mit teilweiser Sichtbarbelassung des Fachwerks im Giebeldreieck erwogen. Die dann einvernehmlich entschiedene und ausgeführte Variante mit dem ganzflächig verkleideten Fachwerk hat den schönen Effekt, dass nun im Dachgeschoss - wie früher auch - das Fachwerk von innen sichtbar bleibt und mit der übrigen Dachkonstruktion ein stimmiges Gesamtbild bietet.
Sockelgeschoss mit Natursteinwänden
Anders als im Obergeschoss und den Giebeldreiecken lag der Fall im Sockelgeschoss, dem Bereich, in dem früher der Stall untergebracht war. Hier wurde eine Innendämmung aufgebracht, um den attraktiven Sandsteinsockel als ‘Basis’ für den aufgehenden Oberbau außen sichtbar zu lassen. Auch war der Bauherrschaft der Gedanke sympathisch, zwischen der künftigen Küchen-, Ess- und Wohnraumnutzung und der alten Stallwand eine Mindeststärke an unbedenklichem neuem Material zu haben, sozusagen als hygienischen Puffer. Kombiniert mit einer Warmwasser-Wandheizung und ergänzt durch eine Fußbodentemperierung im sichtbar belassenen, geschliffenen Estrich bieten die innengedämmten Sockelwände eine behagliche Atmosphäre.
Fenster
Von ganz besonderer Bedeutung war bei der durchgeführten Sanierung der Erhalt der noch aus der Bauzeit stammenden, barocken Fenster mit ihrer Einfachverglasung, den Bleisprossen, den Zierprofilen und geschmiedeten Beschlägen. Die Fenster wurden aufwändig saniert, in Teilen ergänzt und - wo nötig - nachgebaut. Um die Fensteröffnungen den heutigen Anforderungen und den angrenzenden Bauteilen bzgl. Schall- und Wärmeschutz vernünftig anzupassen, dabei aber die sensible Erscheinung nicht preiszugeben, wurden raumseitig großflächige Vorsatzfenster vorgesetzt, mit einer eigens für den Denkmalschutz entwickelten, sehr schlanken Isolierscheibe - bewusst ohne Teilungen, um die Wirkung der 4-flügeligen Barockfenster nicht zu verunklaren.
Materialien
Dachdeckung: Handstrichbiber, Einfachdeckung mit Blechschindeln
Konstruktive Sanierung:
Ergänzung der Holzkonstruktion mit Altholz
Verstärkung der Balkenlage über OG (Wohnen) durch beidseitig angebrachte, niedrige U-Profile, um die Lehmwickel belassen zu können.
Ziegelplattendecke mit Stahl-Profilträgern über EG - wie sie als Reparaturmaßnahme im Austausch gegen ursprüngliche Holzbalkendecke bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ausgeführt wurde - belassen und im Bestand saniert.
Unterkellerung (teilw.):
Abschnittsweise Unterfangung der Außenwände mit Beton
Betondecke über Kellergeschoss
Putz innen:
Ergänzung der Putzflächen partiell und großflächige mit Reinkalkputz, teilw. wie Bestand mit Gipsputz
Putz außen:
mineralisches Wärmedämmverbundsystem mit Reinkalkputz
Verfestigung und Ausfugung des Bruchsteinmauerwerks des Sockelgeschosses mit durchgefärbtem Kalkmörtel
Anstriche:
Kalk- und Silikatfarben auf Putzflächen, Anstriche auf Leinölbasis auf Holzflächen innen
Treppen:
Als Ersatz für die abgängigen - nicht bauzeitlichen - Treppen innen, wurden bewusst "ausgemagerte" Stahl-Holz-Treppen vorgesehen.
Böden:
Eiche Dielenböden schwimmend auf Trittschalldämmung
Geschliffener Zementestrich in Küche und Diele
Fliesen in Untergeschoss und Nassräumen




