An drei Vormittagen im März 2016 setzten sich die Schulanfänger im Kindergarten Liel mit ihrer täglichen Umgebung auseinander: Sie zeichneten Pläne von ihrem Kindergarten und bauten ihn als Modell nach.
Projektname: Architekturtage im Kindergarten
Architektin: Dipl.-Ing.(FH) Andrea Penselin, Freie Architektin
Schule und Klasse: Schulanfänger des Kindergarten Liel
Projektbeschreibung: Die Schulanfänger im Kindergarten Liel haben sich vom 15.-17. März 2016 mit ihrer täglichen Umgebung – dem Kindergartengebäude – auseinandergesetzt. Mit viel Beobachtungsgabe, schwarzen Zeichenstiften, Pappkartons und weiterem Modellbaumaterial stellten sie an drei Tagen mit viel Detailtreue dar, wie ihre tägliche Umgebung aussieht.
Tolle Pläne zeigen, welche Räume für die Kinder eine besondere Bedeutung haben. Den Bewegungsraum mit Matten und Stoffwürfeln wollte jedes Kind zeichnen. Auch das neue Bällebad wurde mit einem guten Blick fürs Detail dargestellt. Die Gruppenräume sind ganz selbstverständlich für die Kinder und konnten somit besonders genau aufgezeichnet werden. Aber auch die Garderobe und die Sanitärräume gehören zum täglichen Ablauf, der genau wahrgenommen wird. Nebenräume hingegen sind tatsächlich Nebensache. Der Heizungsraum oder auch der Personalraum fielen erst auf, als alle Räume wie bei einem Puzzle zusammengefügt wurden.
Auch das Pappmodell – eine tolle Projektarbeit, an der alle Schulanfänger in vier Etappen gewerkelt haben – wurde so manches Mal überarbeitet. Ein Rundgang mit dem Modell durch den Kindergarten verdeutlichte, welche Ideen bei der Planung vom Architekt eingebracht wurden. Auch das Modell aus damaliger Zeit war ein tolles Mittel zum Abgleichen des eigenen Werks mit dem Bauwerk.
Die Architekturtage haben jede Menge Kreativität geweckt. Manchmal waren die Jüngeren ziemlich gefordert und haben dann mit tollen Beobachtungen und Umsetzungsideen sich und die anderen begeistert.
Für mich als begleitende Architektin stand neben dem Projekt "Wahrnehmung und Darstellung" auch die Teamarbeit im Vordergrund, die in beeindruckender Weise gelebt wurde. Durch gegenseitiges Helfen, gemeinsames Erkennen und Aufzeigen sowie sich ergänzende Umsetzungsideen entstand eine enorme Dynamik, die in den Zeichnungen und dem Modell zu erkennen ist. Neben den Darstellungen nehmen die Kinder sicher noch mehr mit nach Hause: Die Zeichnung als "neueSprache", einen Blick für Architektur – unsere tägliche Umgebung – und viele Ideen, was man aus Schuhkartons machen kann.
Zeitlicher Umfang: 3 Vormittage mit je 3 x 1 Stunde für Teilgruppen von jeweils 5-6 Kindern; 8 Stunden Vorbereitungszeit für die Aufbereitung des Bestandsplans (Arbeitsblätter für Raumgrundrisse erstellen), Materialbeschaffung, Fotos für Entdeckungstour.
Ziele: Darstellung der eigenen Wahrnehmung des Kindergartens als tägliches Umfeld in Plan und Modell. Entdecken und Umsetzen in Gruppenarbeit
Aufgabenstellung: Wahrnehmung und Darstellung des Kindergartens in 2D und 3D
Material und Werkzeug: Papier, Karton, schwarzer Stift, Schere, Kleber, div. Modellbaumaterialien
Einstieg/Transfer: Frage nach den für das Kind wichtigsten Räumen/Dingen im Kindergarten. Darstellung dieser Objekte in Raumgrundrissen (vorbereitet). Puzzlespiel – Zusammenfügen der Blätter zum Gesamtgrundriss. Eigener 2D-Plan als Vorlage für die Übertragung auf das 3D-Kartonmodell. Die jüngeren Kinder haben eine Entdeckungstour mit Fotos gemacht.
Andrea Penselin / 18.05.2016
Architektur macht Schule
Überblick über die Initiative der Architektenkammer Baden-Württemberg