Quartiere gestern, heute, morgen? Identität und Integrität. Damit beschäftigen sich zwei geführte Stadtrundgänge und zwei Anregungen zum Erkunden in Eigenregie.
Das Interessante an der Altstadt von Biberach ist das gewachsene Spannungsverhältnis innerhalb der Stadtstruktur, wenn „Alt und Neu“ aufeinander treffen, sich überlagern, berühren, oder gegenüberstehen. Das Zusammentreffen verschiedener Epochen, mit den unterschiedlichen Stilrichtungen zeigt uns, dass unsere geschätzten Baumeister es verstanden haben, die jeweilige Gegenwart als Momentaufnahme der Zeit, mit ihren Bauten festzuhalten. Wir stellen auch fest, dass Architektur die kulturelle Situation einer Zeit festhält und uns das Glück, oder die Trostlosigkeit einer Zeit erkennen lässt. Uns fasziniert nicht die Gleichförmigkeit einer historischen Stadt, sondern die Störungen und Maßstabssprünge.
Gestaltungsbeirat Wilhelm Huber, Architekt und Stadtplaner BDA, erläutert die Arbeit des Gestaltungsbeirats bei einem ca. 90-minütigem Rundgang durch die Stadt an konkreten Beispielen.
2. Ring-Tour: Bauten am Zeppelin- und Bismarckring
Der geführte Rundgang beschäftigt sich mit den Bauten am Zeppelin- und Bismarckring. In den vergangenen Jahrzehnten sind hier außerhalb der ehemaligen Stadtmauer eine Vielzahl von Neubauten mit unterschiedlichen architektonischen Ansätzen entstanden. Welche entwurflichen Ideen liegen den Gebäuden zugrunde? Was sind die städtebaulichen Hintergründe? Wie bewerten wir diese heute?
Dies wird bei einem Rundgang (ca. 90 Min.) mit Architekt Siegfried Kopf-Jasiński, Leiter Hochbau & Gebäudemanagement bei der Stadt Biberach, erläutert und diskutiert.
3. Anregung zum Erkunden in Eigenregie: Wohngebiet Rißegger Steige
„Im Team gemeinsam Planen und Bauen" lautete der Leitsatz beim Projekt „Rißegger Steige”. Städtebauliche Planung, Hochbauentwurf, Grünkonzept sowie das Erschließungsprojekt werden gemeinsam entwickelt. In der Ausführung wurde diese Idee durch Teams aus Planern und Baufirmen weitergeführt. Ziel war ein Kosten-, Qualitäts- und Ökologiegewinn in verdichteter Flachbauweise.
Etwa 20 Jahre nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts können nun wir die Entwicklung überprüfen: Ist die typologische und soziale Mischung gelungen? Sind die Gebäude gut gealtert? Funktioniert die Infrastruktur wie gedacht? Diese Fragen kann jeder für sich selbst erörtern. Zentral im Quartier wird ein Impuls gegeben, der die Sinne schärfen soll für die eigenständige Erkundung des Quartiers.
4. Anregung zum Erkunden in Eigenregie: Wohngebiet Sandberg
Atmosphärische Dichte, humanes Bauen, Kälte im Städtebau, Mitgestaltung, Nachbarschaftsbeziehungen, Identifikation, Stolz und Verbundenheit lauten die Schlagworte, über die sich die Bau-Philosophie der Schweizers Rolf Keller entwickelte. Im Sandberg sollte Qualität vor Quantität gehen, junge Architekten entwickelten gemeinsam eine Komposition und gestalteten den Sandberg als kleinteilige und individuelle, aber durch einen Material- und Gestaltungskanon doch zusammenhängende Siedlung. Ein zentraler, durch Sondernutzungen gefasster Platz und eine daran angrenzende Wasserfläche wurden als gesellschaftliche und räumliche Mitte mitgedacht.
Etwa 30 Jahre nach Fertigstellung können wir die Entwicklung überprüfen: Ist die typologische und soziale Mischung gelungen? Sind die Gebäude gut gealtert? Funktioniert die Infrastruktur wie gedacht? Diese Fragen kann jeder für sich selbst erörtern.
Am Rolf-Keller-Platz wird ein Impuls gegeben, der die Sinne schärfen soll für die eigenständige Erkundung des Quartiers.